Ulrike Roth  -  Raum 4  Infotext
zurück
Foyer / Home




















zurück zu Raum 4


Landschaften aus der Gruft

 

Kennen Sie Grau? Nicht irgendein Grau - eben genau dieses Grau, daß es nur an jenen Tagen an der Normandie-Küste zu sehen gibt. Wahrscheinlich an den meisten Tagen dort, wenn der Himmel so voller Wolken hängt daß sein Grau das der Landschaft zu schlucken scheint.

Wenn kaum noch ein Anfang und nur vage ein Ende des Strandes, des Meeres zu sehen ist. Die Facetten sind Nuancen - mal blauer, mal gelber, mal roter. Wer einmal an einem Regentag in dieser Landschaft war, der weiß, daß Ulrike Roth in ihren Bildern ‘Schauplätze’ genau diese Grautöne getroffen hat.

Aber, und das zeigt uns ganz schnell der zweite Blick, das reicht der Malerin nicht aus. Schließlich ist Roth keine Landschaftsmalerin. Sie Läßt den Betrachtern nicht die geringste Chance einer weitschweifenden unverstellten Aussicht. Im Gegenteil: Sie definiert genau, von wo aus und wie breit geschaut werden darf gerahmte Blicke. Wie ein Passepartout setzt sie vor die Tristesse der grauen Landschaft Betonwände.

Und den Betrachtern wird erneut keine Wahl gelassen. Denn es sind nicht irgendwelche Betonwände, nicht irgend etwas undefinierbares, das den Rahmen bildet. Dort, wo vielleicht manch anderer es der Phantasie überlassen hätte, ist Roth kompromisslos. Sie engt den Blick mit Bunkerfragmenten ein, ehemals deutschen Bunkern aus dem zweiten Weltkrieg oder das, was von ihnen übriggeblieben ist. Monumental und abstoßend in ihrer unvergänglichen Form.

Landschaft aus der Gruft. Der Blick aus den Innenräumen wird mühsamer. Doch er gelingt - auch ein drittes oder viertes Mal. Schließlich läßt Ulrike Roth nie einen Zweifel daran, daß die Betrachter sich in den 90er Jahren befinden. Vielleicht ist es die Art der Malerei, der leichte Auftrag von grauen Farbnuancen oder das einfache Grün eines Strauchs, das den Blick aus dem Rahmen lenkt.

 

Regine Bönsch




zurück zu Raum 4