Ulrike Roth  -  Raum 6  Infotext
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Konstruktionen von Wirklichkeit

 

Kann die Malerei heute die neuen Techniken und die neuen Medien ignorieren? Sie kann. Welche neuen Möglichkeiten sich aber für die Malerei, für die Darstellung von Wirklichkeit und Gegenständen und für unsere Wahrnehmung mit diesen neuen Techniken bieten, das zeigt Ulrike Roths Serie ‚Eingänge‘ aus den Jahren 96/97. Auf den ersten Blick erscheinen die größtenteils kleinformatigen Bilder wie Malerei pur. Aber das scheint nur so.

Die Serie ‚Eingänge‘ beruht auf Fotos, die Ulrike Roth in Berlin und Düsseldorf gemacht hat. Die fotografischen Vorlagen wurden jeweils in ein Bildverarbeitungsprogramm gescannt. Das führt zur Digitalisierung der Bilder, das heißt, Flächen, Formen und Farben wurden aufgelöst in eine geordnete Ansammlung von Bildpunkten, Pixel, genannt. Das ist der erste Schritt weg vom realistischen Bild hin zu einer Konstruktion von Wirklichkeit. Die Computerausdrucke der digitalisierten Bilder sind - im wahrsten Sinne des Wortes - die Grundlage der gemalten. Die farbigen ‚Eingänge‘ wurden auf Baumwollstoff gedruckt. So entstanden Vor- bzw. Grundlagen, die Ulrike Roth übermalt hat - der zweite Schritt der Verfremdung.

Die ursprünglichen Gebäude sind kaum noch zu erkennen. Sie sind nur zu erahnen für diejenigen, die das Original außerordentlich gut kennen. Was wir jetzt sehen, sind Ansichten, ich möchte sogar behaupten: emotional aufgeladene Ansichten. Die Bilder der Eingänge sind geheimnisvoll, rätselhaft, manchmal sogar unheimlich oder bedrohlich. Wir fragen uns: Was ist hinter diesen Türen? Wo führen sie hin, was passiert da?

Was Ulrike Roth getan hat, ist zu reduzieren. Sie betont Linien und Formen. Sie lenkt unseren Blick auf das, was ihr wesentlich erscheint, indem sie mit einzelnen Farben oder mit Hell - und Dunkel-Kontrasten Akzente setzt.

Das ist auch bei den großformatigen, schwarzen Architekturen so. Hier kehrt sie wieder zur Malerei ohne Computer zurück. Allerdings auch mit sehr reduzierten Mitteln. Die Farbe Schwarz wird hier zum Träger, auch zum emotionalen Träger. Mit wenigen Farbmischungen, vor allem aber mit dem Kontrast zwischen glänzenden und matten Stellen entsteht hier Tiefe.

 

Helene Conrady






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